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Steuerrecht

Bücher als Arbeitsmittel eines Lehrers

 

Der Bundesfinanzhof (BFH) hat mit Urteil vom 20.05.2010 entschieden, dass Zeitschriften und Bücher Arbeitsmittel sein und damit steuerlich als Werbungskosten geltend gemacht werden können, wenn sie ausschließlich oder zumindest weitaus überwiegend beruflich genutzt werden.

 

Für Lehrer bedeutet dies, dass die Eigenschaft von Büchern und Zeitschriften als Arbeitsmittel nicht ausschließlich danach zu würdigen ist, in welchem Umfang und in welcher Häufigkeit diese Eingang in den abgehaltenen Unterricht gefunden haben. Auch die Verwendung der Literatur zur Unterrichtsvor- und -nachbereitung oder die Anschaffung von Büchern und Zeitschriften für eine Unterrichtseinheit, die nicht abgehalten worden ist, kann eine ausschließliche oder zumindest weitaus überwiegende berufliche Nutzung der Literatur begründen.

 

Im entschiedenen Fall unterrichtete ein Lehrer an einer Realschule die Fächer Deutsch, Geschichte, Sozialkunde und Ethik. Außerdem gehörte er der „American Anthropological Association“ an. Er macht die Kosten für 37 Büchern, 4 Zeitschriftenabos sowie weitere damit zusammenhängende Kosten, wie Fernleihkosten, Bindekosten etc. in Höhe von insg. 2.151,91 Euro als Werbungskosten geltend.

 

Nicht abziehbar sind Aufwendungen für die Lebensführung, die die wirtschaftliche oder gesellschaftliche Stellung des Steuerpflichtigen mit sich bringt, auch wenn sie zur Förderung des Berufs oder der Tätigkeit des Steuerpflichtigen erfolgen (§ 12 Nr. 1 Satz 2 EStG). Daher muss für jedes Buch einzeln untersucht werden, ob es sich um einen Gegenstand der Lebensführung oder um ein Arbeitsmittel handelt. Dabei kommt es auf die Verwendung des Buches gerade im Streitfall an. Eine pauschale Feststellung zu allen Büchern ist nicht ausreichend. Vielmehr ist der konkrete Verwendungszweck für jedes einzelne Arbeitsmittel (hier Buch, Zeitschrift) festzustellen.

 

Soweit Bücher, Zeitschriften etc. als Werbungskosten berücksichtigt werden sollen, ist – falls das Finanzamt die Anerkennung verweigert – in  jedem Einzelfall ein konkreter Bezug zu geplantem oder tatsächlich gehaltenem Unterricht darzulegen. Dies dürfte für einen Englischlehrer bei einer englischen Ausgabe von Harry Potter leichter fallen, als bei einem Physiklehrer, der sein Abonnement der Zeitschrift Stern als Werbungskosten absetzen will. Die Möglichkeit der (auch) privaten Nutzung steht dem nicht entgegen.

 

Auch eine Übertragung dieser grundsätzlichen Entscheidung auf andere Arbeitsmittel ist möglich. Der Erwerb von Musik als CD´s oder im bezahlten Download sollte auch für einen Musiklehrer als Arbeitsmittel darstellbar sein, wenn denn eine zumindest vor- oder nachbereitende Nutzung stattgefunden hat.

 

(BFH, Urteil vom 20. 5. 2010, Az. VI R 53/09)

 

Rechtsanwalt Tinnefeld


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